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Der Abtrünnige (Theon I) ist das vierte Kapitel von Ein Tanz mit Drachen, dem zweiten Teil des fünften Bandes der Das Lied von Eis und Feuer-Reihe. Der POV-Charakter des Kapitels ist Theon Graufreud.

Zusammenfassung Bearbeiten

Theon Graufreud wird nach der Hochzeit Ramsay Boltons nicht mehr gebraucht und streunt voller Schuldgefühle durch die teilweise von den Boltons wieder aufgebaute Ruine von Winterfell, während der Vormarsch Stannis Baratheons durch einen heftigen Schneesturm aufgehalten wird. Schließlich sucht ihn Lady Barbra Staublin auf und lässt sich von ihm in die Gruft von Winterfell führen, wo sie ihm ihre Lebensgeschichte und von der unerfüllten Liebe zu Brandon Stark erzählt.

SynopsisBearbeiten

Ein Schneesturm stoppt StannisBearbeiten

Einige Tage sind seit der Hochzeit Ramsay Boltons mit Jeyne Pool alias Arya Stark auf Winterfell vergangen, wo sich Haus Bolton auf den Angriff Stannis Baratheons vorbereitet. Als es heftig zu schneien beginnt, verkündet Lord Roose Bolton in der Großen Halle beim Frühstück, dass die Götter des Nordens Stannis durch den Sturm ihren Zorn auf ihn zeigen würden. Viele seiner Vasallen brüllen zustimmend und schlagen mit ihren Fäusten auf die Holztische. Theon Graufreud, dessen "Regentschaft" als Prinz von Winterfell nicht länger als die Hochzeitsnacht dauerte und für den die Boltons seitdem keine Verwendung mehr zu haben scheinen, wandelt täglich voller Schuldgefühle durch die Ruinen der Burg. Nun jubelt er nicht mit bei Lord Roose' Worten, ebenso wenig wie Aenys Frey und Hosteen Frey, die sich als Männer der Flusslande offenbar ebenso fremd in der Burg fühlen wie Theon. Vermutlich haben sie auch ihre drei Vettern im Sinn, die kürzlich zwischen Weißwasserhafen und Hüglingen verschwunden sind. Lord Wyman Manderly löffelt unzufrieden zwischen zwei seiner Ritter an seinem Haferbrei, und Lord Harwald Feist tuschelt mit dem ausgezehrten Hother Umber. Theon stellt sich in die Reihe für den Haferbrei an, bekommt aber nicht wie die anderen Lords Honig, Milch und Butter dazu. Theon hat in der letzten Nacht wieder einmal an Flucht gedacht, allerdings werden alle Tore der Burg schwer bewacht, und selbst wenn Theon es nach draußen schaffen würde, wüsste er nicht, wohin er gehen sollte. Sein Vater Balon Graufreud ist tot, und seine Onkel dürften keinerlei Verwendung für ihn haben.

Dann betritt Ramsay mit seinen Burschen den Saal und verlangt nach Musik. Abel der Barde stimmt "Dornisches Weib" an, wobei er den Text auf den Norden umgeschrieben hat, was kühn ist, doch es belustigt die Boltons, und erst da wagen es Ramsays Burschen mitzulachen, allen voran der Gelbe Dick. Jeyne Pool alias Arya Stark ist nicht anwesend, und seit der Hochzeitsnacht hat sie ihre Gemächer auch noch nicht verlassen. Der Saure Alyn hat erzählt, dass Ramsay sie nackt an ihr Bett gekettet hat, aber Theon weiß, dass Ramsay keine Ketten braucht, um jemanden festzuhalten. Zwei Wachen stehen vor ihrem Gemach. Jeden Abend muss sie baden, und Ramsay hat Theon aufgetragen, Jeynes Zofe zu spielen, und so muss er jedesmal, wenn Ramsay mit ihr fertig ist, Dienerinnen von Lady Walda oder Lady Barbra Staublin ansprechen, damit sie ihm helfen, heißes Wasser aus der Küche in Jeynes Gemächer zu bringen. Während den Bädern kann Theon die vielen blauen Flecke an Jeynes Körper sehen. Einmal hatte sie Theon mit seinem richtigen Namen angefleht, woraufhin er wütend geworden war und ihr eingebläut hatte, dass er "Stinker" heiße und sie "Arya". Theon weiß, dass sobald Ramsay Jeynes Tränen müde geworden ist, er selbst wieder zu dessen Spielzeug werden wird.

Theon findet eine leere Bank am Ende der Halle, um seinen Brei alleine zu essen. Er hört Wachmännern zu, die darüber streiten, wie lange der Sturm andauern wird. Die Männer der Flusslanden sind geradezu entsetzt über das Ausmaß des Schnees und der Kälte, von dem die Nordmänner erzählen. Nach nur drei Löffeln hat Theon dann keinen Hunger mehr auf den wässrigen Brei. Plötzlich tritt eine der Waschweiber des Barden zu ihm und setzt sich rittlings neben ihn auf die Bank. Sie nennt Theon mit seinem richtigen Namen und fordert ihn zum Tanz auf, aber Theon lehnt ab und sagt, sie solle ihn in Ruhe lassen. Sie erklärt, dass sie Theon noch nie habe lachen sehen, selbst auf der Hochzeit seiner Schwester nicht. Theon beobachtet, wie eine weitere Waschfrau den Kleinen Walder inzwischen auf einen Tisch gezogen hat, um ihm das Tanzen beizubringen. Zwei weitere Frauen des Barden schlagen den Takt auf Trommeln. Esche fragt, ob sie nicht Theons Geschmack entspreche und bietet an, sie könne Myrte oder Stechpalme holen, aber auch das will Theon nicht. Dann fragt sie Theon nach der Eroberung von Winterfell aus und wie er das angestellt habe mit so wenigen Männern, aber auch das will Theon ihr nicht verraten. Am Ende stellt sich die Frau als Esche vor und legt Theon ihre Hand auf die seine, woraufhin Theon zusammenzuckt und aus der Halle hinaus humpelt, weil er eine Falle Ramsays befürchtet.

Theon streunt durch WinterfellBearbeiten

Draußen auf dem Hof schneit es immer noch heftig, und Theon schätzt, dass der Schnee im Wolfswald und auf dem Königsweg noch viel höher liegen muss. Im Hof treiben die Ryswells und die Staublins eine Schneeballschlacht miteinander. Auf den Wehrgängen bauen die Wachen Schneemänner und rüsten sie mit Speeren und Helmen aus, und hinter den Zelten frieren die Pferde aus Weißwasserhafen und von den Zwillingen in ihren Ständern. Ramsay hat bei der Plünderung von Winterfell die alten Ställe niedergebrannt, und obwohl Lord Roose sie mittlerweile doppelt so groß hat wieder aufbauen lassen, reicht der Platz bei weitem nicht für alle Pferde. Theon geht weiter zu den Trümmern, die einst Maester Luwins Turm gewesen sind, und von dort aus blicken ihn unzählige Raben an. Auch sein ehemaliges Schlafzimmer liegt in Ruinen und ist nun mit Schnee verweht, genauso wie Mikkens ehemalige Schmiede und Lady Catelyn Tullys Septe. Hinter dem Verbrannter Turm entdeckt er dann Rickard Ryswell, der mit Frenya anbändelt, einer von Abels Waschweibern. Sie steht barfuß im Schnee, nur mit einem Pelzmantel bekleidet, und Theon vermutet, dass sie darunter nackt ist. Als Frenya ihn sieht, flüstert sie Rickard etwas ins Ohr und lacht.

Theon geht fort, und seine Füße tragen ihn zu einer selten benutzten Treppe hinauf zum Wehrgang der inneren Burgmauer, die älter und höher ist als die äußere, dafür aber in einem schlechteren Zustand. Theon blickt auf die Ruinen von Winterdorf herab, die unter dem Schnee begraben sind, und der Königsweg ist überhaupt nicht mehr zu erkennen. Theon denkt, dass Stannis keine Chance hat, die Burg einzunehmen, denn anders als bei seinem Überraschungsangriff wird er die Verteidiger nicht so einfach überlisten können. Auch Aushungern ist keine Option für Stannis, denn obwohl die Vorräte, die die Freys, Lady Staublin und Lord Manderly mitgebracht haben, begrenzt sind, wird auch Stannis' Heer Hunger leiden und in einem schlechten Zustand sein, wenn es vor Winterfell ankommt. Theon erreicht schließlich den Götterhain, dessen warmer Boden den Schnee in Schlamm verwandelt. Theon fragt sich, warum er überhaupt hierhin gegangen ist, dann macht er vor dem Herzbaum Halt, sinkt instinktiv auf die Knie und bittet die Götter, weiß aber nicht einmal, um was er sie eigentlich bitten soll. Als er ein entferntes Schluchzen zu hören meint, muss er an Jeyne Pool denken.

Theon kehrt in den Hof zurück, wo die Männer neue Schneemänner in Form der Lords des Nordens gebaut haben. In der Küche wird mittlerweile wieder Essen serviert, und auch die Hunde bekommen etwas ab. Die Mädchen des Bastards freuen sich, Theon zu sehen. In der Halle geht es mittlerweile rauer zu. Zwei Bolton-Kundschafter berichten, Stannis' Heer käme nur noch sehr langsam vorwärts. Die kleinen Pferde der Bergstämme aus dem Norden kommen mit dem Schnee zwar gut zurecht, aber die Schlachtrösser der Lords aus dem Süden bleiben im Schnee stecken, und so droht das Heer ständig in zwei Teile zerrissen zu werden. Lord Roose weist Abel an, ein Marschlied für Stannis zu singen, und dabei kämpft eins seiner Waschweiber mit dem Schwert des Sauren Alyn gegen imaginäre Schneeflocken.

Theon führt Lady Staublin in die Gruft von WinterfellBearbeiten

Nach seinem dritten Krug Bier erscheint Lady Staublin in der Halle, und sie lässt Theon von zwei ihrer Männer zu sich bringen. Entsetzt stellt sie fest, dass Theon immer noch dieselben Kleider trägt wie auf der Hochzeit. Dann erklärt sie, dass sie die Gruft von Winterfell besuchen will, doch ihre Männer können den Eingang nicht finden. Als sie gemeinsam auf den Hof gehen, bemerkt Theon, dass es noch heftiger schneit als zuvor. Der Eingang zur Gruft befindet sich in der Nähe des Ersten Frieds, der seit Jahrhunderten nicht mehr benutzt wird und den Ramsay ebenfalls hatte niederbrennen lassen. Theon erinnert sich daran, dass sie hier Brandon Stark nach dessen Sturz gefunden hatten. Theon war an diesem Tag mit Eddard Stark und Robert Baratheon auf der Jagd gewesen. Nun deutet er auf eine Schneewehe am Fried und sagt, dass der Eingang darunter liege. Lady Staublins Männer brauchen fast eine halbe Stunde, um den Eingang freizulegen, und danach die vereiste Tür mit einer Axt aufzubrechen. Ihr Feldwebel Beron führt sie mit einer Fackel die schmale Treppe hinab. Die Luft dort unten scheint dabei sogar ein wenig wärmer zu sein als an der Oberfläche, denn offenbar herrscht in der Gruft immer dieselbe Kühle.

Beim Abstieg erwähnt Lady Staublin, dass es in der Burg die Runde mache, dass Ramsays junge Braut viel weine. Lord Roose ist besorgt darüber, denn die Nordmänner lieben die Starks und fürchten die Boltons lediglich. Die meisten Adeligen aus dem Norden seien nur wegen der Starks hier, sie selbst ausgenommen. Hother Umber fürchtet die Freys, weil sie immer noch den Großjon gefangen halten, und die Hornwalds werden Ramsays letzte Hochzeit nicht vergessen haben, nach der Lady Donella Hornwald in ihrer Kammer verhungerte und schließlich ihre Finger aß. Sie rät, dass Ramsay besser schnell lernen solle, seine neue Braut zum lachen zu bringen.

Theon führt Lady Staublin durch eine Tür in das jüngste Kellergewölbe. Theon fühlt eine alte Furcht in sich vor den Statuen der Steinkönige und ihren verrosteten Langschwertern. Lady Staublin ist überrascht, wie viele Statuen hier unten sind. Theon weiß ihre Namen nicht mehr alle, doch erkennt er Torrhen Stark, den Knienden König, und als Lady Staublin sagt, sie wolle Eddard Starks Grab sehen und sie durch das Gewölbe schreiten, fallen ihm noch mehr ein: König Edrick Stark genannt Schneebart, Brandon der Schiffsbauer, Theon Stark, der Hungrige Wolf, und Lord Beron Stark, der sich mit Lord Tybolt Lennister von Casterlystein verbündet hatte, um gegen Dagon Graufreud von Peik Krieg zu führen in der Zeit, als Brynden Strom die Sieben Königslande de facto regierte.

Theon fragt Lady Staublin, warum sie die Starks so sehr hasse, sie aber erklärt, dass sie etwas mit Theon gemeinsam habe: Theon war einst an Robb Starks Seite in den Süden geritten, habe mit ihm im Wisperwald und vor Schnellwasser gekämpft und sei als sein Gesandter auf die Eiseninseln gegangen. Auch Hüglingen habe Robb Männer gestellt, zwar nur wenige, aber immerhin genug, um zu wissen, was in Robbs Heer alles vorgefallen war. Nun fragt Lady Staublin, warum Theon die Starks liebe, und er muss gestehen, dass er einer von ihnen sein wollte, woraufhin Lady Staublin erklärt, dass das ihre Gemeinsamkeit sei. Dann erreichen sie die Statuen von Lord Rickard Stark, Brandon und Eddard, wobei sie erstaunt feststellen, dass die Schwerter von Rickard und Brandon fehlen.[A 1]

Lady Staublin erzählt, dass Brandon sein Schwert geliebt habe und stets sagte, es gebe nichts Schöneres als ein blutiges Schwert. Brandon sei als Mündel bei Lord Staublin in Hüglingen aufgewachsen, dem Vater ihres späteren Gemahls Willerich Staublin. Brandon war allerdings ständig auf seinem Pferd in den Bachlanden unterwegs, zusammen mit seiner Schwester Lyanna Stark. Barbras Vater Lord Rodrik Ryswell hatte stets gern den Gastgeber für die Starks gespielt, denn er hatte den Ehrgeiz, Haus Ryswell durch eine Heirat voranzubringen. Dafür hätte er Barbras Jungfräulichkeit jedem Stark geschenkt, der zufällig vorbeigekommen wäre, aber Brandon hatte sich die Gunst Barbras ohnehin schon gesichert, und nachdem er sie entjungferte hatte, waren sie eine Zeit lang ein Liebespaar gewesen. Dann allerdings wurde Brandon mit Catelyn Tully verlobt, obwohl Brandon sie gar nicht wollte, wie er ihr in ihrer letzten gemeinsamen Nacht versichert hatte, doch auch Lord Rickard Stark war ehrgeizig, und er wollte ein Bündnis mit einem Lord aus dem Süden schließen und nicht, dass sein Erbe die Tochter eines seiner eigenen Vasallen heiratet. Barbra war tief verletzt, aber Brandon beugte sich dem Willen seines Vaters.

Dann wollte ihr Vater sie als Ersatz mit Eddard verloben, aber auch den bekam Catelyn, nachdem Brandon gestorben war und schließlich nahm Eddard ihr auch noch ihren Gemahl Lord Willerich Staublin, als er mit ihm in Roberts Rebellion zog. Sie war gerade ein halbes Jahr mit ihm verheiratet gewesen, und er hätte auch Verwandte in den Krieg schicken können, aber Willerich war ein stolzer Mann, der seine Truppen selbst anführen wollte. Bei seinem Abschied schenkte Barbra ihm einen roten Hengst, den Stolz der Herden ihres Vaters, und ihr Gemahl versprach, auf dem Pferd zu ihr zurück zu kehren, aber Eddard Stark brachte ihr am Ende nur das Pferd, denn Willerich starb beim Angriff auf den Turm der Freude. Eddard sagte, Willerich sei tapfer gestorben und er habe ihn am Fuße der Roten Bergen Dornes begraben, wohingegen er die Gebeine seiner Schwester Lyanna mit in den Norden brachte. Zum Abschluss der Geschichte erzählt Lady Barbra Theon, dass sie Ausschau nach den Gebeinen Eddard Starks halte, seit Catelyn sie von Schnellwasser aus in den Norden geschickt habe. Da Maidengraben damals aber noch von Victarion Graufreud besetzt gewesen war, sind die Gebeine in der Eng verschwunden. Sollte Lady Staublin sie je in die Finger bekommen, will sie sie an ihre Hunde verfüttern. Sie blickt Eddards Statue lange an, dann gehen sie wieder nach oben. Vor dem Ersten Fried warnt Lady Staublin Theon, mit niemandem über ihr Gespräch zu reden.

Handelnde & erwähnte Personen Bearbeiten

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Erwähnte Orte & Begriffe Bearbeiten

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Begriffe:

AnmerkungenBearbeiten

  1. Hodor und Osha haben sich die Schwerter mitgenommen, als sie aus ihrem Versteck in der Gruft flohen.

Siehe auchBearbeiten

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